~ die Welt aus den Angeln heben

Werter Blogleser,

du bist doch ein kluger Kopf  und machst dir so deine Gedanken zu dem was gegenwärtig und in der jüngeren Vergangenheit passiert(e) und welche Auswirkungen das auf die Zukunft hat. Sicher, da entwickeln sich eher Horrorszenarien vor dem inneren Auge… Oder gibt es Hoffnung?

„Menschen machen Kunst – Kunst macht Menschen“, steht auf der Seite des „ku.bo“.

„Kunst macht den Menschen zum Menschen“, meint der Künstler Wilhelm Plogmann.

Und was hat Kunst/ Kultur mit Politik zu tun? Was hat Politik mit Kunst/ Kultur zu tun?

Können die beiden überhaupt miteinander?

Oder will der eine und der andere nicht?

„Die Kunst, kulturvoll Politik zu machen“

ist das ambitionierte Thema eines Januarempfangs, der heute in Senftenberg stattfindet.

Auch Wolfgang Wache wurde angefragt, ob er die Podiumsdiskussion mit seinen Erfahrungen und Ausführungen bereichern könnte. Naja, Begeisterung sieht anders aus, denn der 68 Jährige hat zu oft vor Gremien gestanden, hat um Verständnis, Unterstützung und Geld für Kunst, Kultur, Kulturelle Bildung gebettelt. Zeitgenossen aus der Branche haben schon längst die Segel gestrichen, haben sich jahrelang von (politischen) Versprechen zu Versprechen gehangelt, immer in der Hoffnung auf die in Aussicht gestellte Verbesserung für Kunstvereine, Künstler, Kulturpädagogen. Viele sind im Ruhestand und wollen von gesellschaftlicher Verantwortung nichts mehr wissen. Mit den Jahren wird man müde und viele nicht selten zynisch. Was wurde nicht alles für Papier vollgeschrieben. Was sind nicht alles für Vertröstungen und Beteuerungen formuliert worden. Die Frage bleibt nach Konferenzen, Podiumsdiskussionen, Arbeitskreis- und Fachgruppentreffen, Situationsanalysen etc. – wo ist der feste Punkt im All, der hilft, die Welt aus den Angeln zu heben. (nach dem Zitat von Archimedes) Was können wir nun also für die Kunst und die Kultur tun – auch auf politischer Ebene?

Es gibt ja nicht wenige, die der Meinung sind, dass die Künstler und Kulturpädagogen endlich aufhören sollen zu jammern – sie sollen eben einen gescheiten Job machen, mit dem sie Geld verdienen können und dann könne man die Kunst und Kultur gut in der Freizeit machen. Schließlich leben wir in der Marktwirtschaft und wonach der Markt nicht fragt, das sollte auch nicht produziert und finanziert werden.

* * * Kulti alias Wolfgang Wache ~ 1990 * * *

Wer quatscht denn hier von Kulturverlust? Wir lernen jetzt erst die richtige Kultur kennen. Gestern hatte ich das erste Mal einen richtigen Colt in der Hand.

Da ist man doch wer! Zur Abwechslung ziehe ich mir auch mal einen Porno ein …

Da gibt es doch tatsächlich noch einige Typen in Brieske, es mögen so um die 150 Leute sein, die haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. […] Die Spinner glauben doch immer noch, daß Menschen in ihreer Freizeit auch singen, tanzen, malen, zeichnen, töpfern, musizieren, fotografieren wollen. Für mich sind das alles Kultur-Zombis.

und die Krone ist, daß sie […] weiterhin Freizeitkultur dieser Art anbieten wollen. Nun hört mir aber auf. Es reicht doch nun wirklich, wenn der Männerchor seit 80 Jahren, die Tanzgruppe seit 45 Jahren sowie die anderen Gruppen sich auch schon seit einigen Jahren in diesem Kulturhaus rumtreiben.

Da muß was anderes her. Wie schön sind dagegen die Werbeveranstaltungen. Kein Eintritt – sogar Kaffee, Bockwurst oder Kuchen gibt es umsonst. Deshalb finde ich es richtig, daß bereits im August 1990 diese 150 Spinner abblitzten, als sie mit ihren Vorschlägen für ein weiteres breites künstlerisches Freizeitangebot im Kulturhaus antrabten. Richtig fand ich auch, daß selbst die für die ins Wasser gefallenen Arbeiterfestspiele schon vorhandenen Mäuse dieser Art von Kultur ganz und gar entzogen wurden. Sicher wurden sie für viel wichtigere Dinge gebraucht, wofür, hätte ich schon ganz gerne gewußt.

[…]

Am besten, Sie meiden […] das Kulturhaus Brieske und diese kaputten Typen und ziehen sich wie ich ein Video ein.

Ihr Kulti, der echte

Lausitzer Rundschau, 1990

* * * Pressemitteilung vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg S. 1/2 ~ 1993 * * *

Dies gilt insbesondere in Hinsicht auf die notwendige Kommunalisierung der Kulturpolitik, die die gestaltbarste kommunale Selbstverwaltungsaufgabe ist. In diesem Entwicklungsprozeß sehe ich derzeit jedoch auch die größten Gefahren. Der Finanzierungsanteil an den Kosten für kulturelle Einrichtungen und Projekte, der durchschnittlich von den Kommunen geleistet wird, entspricht noch lange nicht der Bedeutung, die der Kultur für die Fortentwicklung der Gemeinde zukommt. […]

Da diese Quelle im kommenden Jahr weitgehend versiegen wird – derzeit deuten alle Zeichen darauf hin – reißt der Bund eine Lücke in der Kulturfinanzierung, die nicht zu schließen sein wird.

[…]

Ich halte das Ziel eines zweiprozentigen Anteils der Kultur am Gesamthaushalt des Landes mittelfristig für realistisch und angemessen.

Jahresversammlung „Lausitzer Literatursammlung“ / 31. Januar / 10 Uhr

Herzliche Einladung zur Jahresversammlung der „Lausitzer Literatursammlung“

Gern möchten wir mit euch/ Ihnen zuversichtlich ins neue Jahr schauen und gemeinsam Aktivitäten und Veranstaltungen planen. Schwerpunkt bildet dabei der 100. Geburtstag von Horst und Günter Mönnich. Die Versammlung findet am Mittwoch, 31. Januar 2018, ab 10 Uhr in den Vereinsräumen in der Rudolf-Breitscheid-Straße 17 in Senftenberg statt. Wir möchten gern über folgende Vorhaben informieren und uns zu ihnen austauschen:

1. Information über das Projekt „Erst die Toten haben ausgelernt“
2. Werkstattlesungen Horst Mönnich für Schulklassen
3. Buchprojekt „Was hinter uns liegt, liegt vor uns“
4. Konferenz mit Festveranstaltung am 8. November 2018
5. Literarische Vorhaben und Veranstaltungen 2018
Welttag der Poesie (21. März) in Otto-Rindt-OS + Welt-Laden
   Buch Werner Riska (90. Geburtstag)
   Buch Wolfgang Wache Elsterniederung mit Federzeichnungen
   Lesereihe „Autoren im Gedankenaustausch mit Autoren“
   Hör-CD Lyrikzin 6
   Lausitzer Lyrikfestival – als „Hörspielinsel“
6. Sonstiges
Ich freue mich auf den Gedankenaustausch und interessante Ideen.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Wache
– Vereinsvorsitzender –

Wir sitzen alle im selben Boot

Bootstour über den Geierswalder und den Senftenberger See, die früher Tagebaue zum Abbau von Braunkohle waren. Besonders beeindruckend war die Schleusenfahrt und die Unterquerung von Schwarzer Elster und Bundesstraße.

Lyrikgala mit Ausstellungseröffnung „Kreis 07“ und Buchpremiere des „Autorenkreis Kornblume“

Wolfgang Wache dankt Frau Barbara Seidl-Lampa für die gute Zusammenarbeit, die den Blumenstrauß stellvertretend für den „Kreis 07“ und den Pro Ars Lausitz e.V. entgegen nimmt.

Yana Arlt, Wolfgang Wache und Alexander Kiensch vom „Autorenkreis Kornblume“
lesen Texte aus dem „Almanach 2017“.
Aufbau der Ausstellung mit den Werken vom Kunstpleinair 2017

Wolfgang Wache über das Lausitzer Lyrikfestival 2017

Ich bin schon ein komischer Typ. Immer wenn ich etwas als sehr schön empfinde, möchte
ich gern, dass andere auch daran teilhaben. So geht es mir mit dem letzten Wochenende. Die drei Tage Lyrikfestival waren, so glaube ich, eines der schönsten Treffen unter Kollegen. Jeder der Teilnehmer hat es bestätigt. Bereits am Freitag haben wir gemeinsam mit Graphikern und Malern eine Ausstellung eröffnet. Während dieser Veranstaltung stellte der „Autorenkreis Kornblume“ seinen neuen Almanach vor. Es wurden Texte in einer wunderbaren Raumatmosphäre vorgetragen. Durch verschiedene Lichtfarben und Klanginstrumente entstanden unterschiedliche Stimmungen. Auf der Leinwand begleitenden verschiedene Fotomotive die Lesung. Diese wunderschöne Leseperformance wurde abgerundet mit einem original russisch-kasachischem Büfett. Am nächsten Tag sammelte ich gemeinsam mit Jana Arlt unsere Dichterkollegen auf dem Marktplatz Brieske und am Bahnhof Senftenberg ein. Pünktlich um 10.00 Uhr saßen wir alle „im selben Boot“. Das Wetter passte, Sonne schien. Das Boot war eine Überraschung. Die Dichter saßen wie in einer Wohnstube auf gepolsterten Bänken und fuhren auf den Seen, die einst Tagebaue waren. Dort, wo einst sorbische Dörfer standen, lernten sich während einer dreistündigen interessanten Tour die Dichter näher kennen und nahmen viele Eindrücke mit an Land. Nach der Bootsfahrt wurde im Kleinbus weiter diskutiert. Auch während des Mittagessens in der „Niemtscher Mühle“, wenige Schritte vom Senftenberger See entfernt, brachen die Gespräche nicht ab. Ab 15.30 Uhr begannen die einzelnen Lesungen. Diesmal hatte jeder Zeit, den anderen Kollegen bei ihren Vorträgen zuzuhören . Das kam bei allen Teilnehmern und den Gästen gut an.
Ich habe mich sehr gefreut, dass sehr viele fachliche Gespräche stattfanden. So sprach man auch über experimentelle Herangehensweisen bei der Texterarbeitung. Es ging auch darum, Literatur wieder mit vergessenen und noch unbekannten Stilmitteln neu zu beleben. Es gab den Wunsch, dass man bei den nächsten Zusammenkünften noch mehr Zeit für solche fachlichen Gespräche einplant. Der Bedarf sei da – so die einheitliche Meinung. Einige sagten sogar, dass dieses Treffen das beste von den immer sehr gelungenen Festivals gewesen war. Als Veranstalter freut man sich auch darüber. Am Sonntag stand ich dann zur Matinee mit Yana Arlt, Stefan Reschke und Alexander Kiensch im und auf dem literarischen Labyrinth. Ich bin immer noch begeistert von dieser wunderschönen Dichterbegegnung.
Eigentlich, das muss ich an dieser Stelle gestehen, wollte ich aufhören. Die Finanzierung wird ja immer schwieriger, der Weg zu den Fördertöpfen, von denen immer behauptet wird, dass sie gut gefüllt sind, wird immer steiniger. Manche denken, wenn die Veranstaltung zu Ende ist, ist alles gelaufen. So ist es eben nicht. Ich bin zum Beispiel immer noch mit dem bürokratischen Ablauf der Veranstaltung des Jahres 2015 beschäftigt. Die Vor- und Nachbereitungen kosten jedes Mal viel Kraft und Ausdauer. Genau das ist es auch, was uns Freischaffende und kleinere Vereine ein wenig abschreckt, solche großen Projekte anzugehen. Da aber viele Kollegen solche Begegnungen wünschen, werde ich gemeinsam mit Jana Arlt auch für das Jahr 2018 die organisatorische Arbeit aufnehmen. Jeder kann sich mit seinen Ideen und Wünschen bei der Vorbereitung der Aktivitäten des kommenden Jahres einbringen.
Wolfgang Wache
 Georg Voigt, Wolfgang Wache, Lena Inosemzewa
Bootstour über die Lausitzer Seen
 Sergej Tenjatnikow und Wolfgang Wache
„Autorenkreis Kornblume“
Premiere des „Almanach 2017“ zur Lyrikgala