Im Jahr 2013 fand das Jahresprojekt “ Erzähle eine winzig kleine Geschichte“ statt. Träger des Projektes: Nachwuchs – Literatur – Zentrum „Ich schreibe!“
Die Organisatoren mussten in vielen Fällen erschreckend feststellen, dass viele Kinder und Jugendliche den Begriff „Lyrik“ noch nie gehört hatten. Sie konnten auch mit den Worten „Poesie und Dichtung“ nichts anfangen. Wir waren mit dem Problem konfrontiert, dass bestimmte Bevölkerungsschichten unsere Angebote nicht wahrnehmen, weil sie mit den Begrifflichkeiten nicht vertraut sind. Nun zeigte sich, dass es umso wichtiger ist, dass wir unsere Angebote sowohl für spezielles Publikum als auch für Breitenförderung im literarischen Bereich abstimmen. Wir bereichern seit vielen Jahren unsere Lesungen mit dem Einsatz von Klanginstrumenten, Bildern, Handpuppen und sogar Düften. Auf diese Art konnten wir speziell Grundschüler und Kinder, die am Nachmittag vom Kinderschutzbund betreut werden begeistern. Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien genießen die Zuwendung, die durch das Vorlesen und im Gespräch entsteht. Im Mai 2013 haben wir zum Beispiel Gesprächsrunden/ Seminare für Kinder, bei denen uns auch junge Autoren aus ganz Deutschland unterstützten durchgeführt. Wir informierten über verschiedene Medien über unsere Aktionen. Ankündigungen und Berichterstattungen auf unserer Internetseite und im örtlichen Fernsehen gehörten ebenso dazu, wie Meldungen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern (die vielen Haushalten kostenlos zur Information zur Verfügung stehen) Im Mai erfolgte auch eine öffentliche Auslosung von Kinderbüchern. Im Monat Juni führten wir Schnupperstunden für Kurse durch, die ab dem Schuljahr 2013/2014 angeboten werden sollten. Diese Kursstunden boten einer Vielzahl an Kindern die Möglichkeit einen Einblick in einen künstlerischen Bereich zu nehmen, dem sie sich sonst aus Unwissenheit verschließen, der ihnen auf kaum eine andere Art Zugang verschafft werden kann. In einer Region mit einer Arbeitslosenquote von fast 15% sind viele Erwachsene und junge Erwachsene, die auch Eltern und Großeltern sind wenig motiviert und finanziell nicht gut ausgestattet, um ihren Kindern und Enkeln neue Interessengebiete zu erschließen. Auch dies war ein Grund, dass wir zum Fest der Lyrik am 15. und 16. Juni 2013 einluden. Ein besonderes Angebot, eine Schreibwerkstatt zum Thema: japanische Dreizeiler – selbst Gedichte schreiben, konnte ebenfalls für Schulklassen der Region angeboten werden. Die Vereinsmitglieder erbringen, obwohl oft selbst von Alg II oder Bafög abhängig, einen Großteil der Arbeit unbezahlt. Die Bezeichnung „Ehrenamt“ ist jedoch in diesem Zusammenhang irreführend. In den Sommerferien im Juni und Juli gab es Begegnungen für Kinder in Brieske- Marga, die sich mit der speziellen Kultur, dem Leben und arbeiten in einer Arbeiterkolonie beschäftigten. Im Büchereck waren Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkelkindern zur eintrittfreien Sommerferienleseaktion eingeladen. Im Rahmen des Projektes „Erzähle eine winzig kleine Geschichte“ konnten in einer menschlich „ausblutenden“ Region, in der es kaum kulturelle Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt über 400 Personen vom Kindergartenkind bis zum Ruheständler erreicht werden. Für viele Menschen in der Lausitzer Region ist der Zugang zu Kunst und Kultur immer noch erschwert. Weiß ein Kind noch nicht um die Angebote und muss von Eltern, Lehrern und Erziehern hingeführt werden, so sind ältere Mitbürger oft apathisch und lethargisch, haben sich einem ereignislosen Rentnerdasein eingerichtet.
Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur kann Lebenssinn und – Motivation bieten. Es gibt für Kulturpädagogen und Künstler noch viel zu tun. Und sie brauchen dabei Partner und Förderer.
Wir haben keine % Eigenmittel für irgend ein Projektvorhaben.
Das persönliche Versagen der Jana A. und des Wolfgang W. oder Deutschland braucht die Revolution der Kunst- und Kulturschaffenden
Keine 14 Tage hat die Kulturstiftung des Bundes gebraucht, um unseren Projektantrag aus dem Kuvert direkt in die Rundablage zu befördern.
„Wir hoffen, dass Sie andere Mittel und Wege finden, Ihr Vorhaben dennoch zu verwirklichen und wünschen Ihnen dabei viel Erfolg.“ Quelle: Schreiben des Vorstands und des Leiters der Allgemeinen Projektförderung vom 12.2.2014, das uns gestern erreichte
Meine sehr verehrten Herren, ich bin offen für jeden Vorschlag. Wie wäre es, wenn die Künstler an uns Gebühren zahlen, damit sie z.B. bei unserem Lyrikfest oder beim Stammtisch „Ich schreibe!“ auftreten dürfen? (Das bringt was ein und kann beim nächsten Projektantrag den Eigenmittelanteil abdecken.) Die Organisatoren der Schüler-LITERATUR-Tage im Mai und der Tage der LITERATUR im September könnten doch am Jahresende eine Urkunde „Ehrenamtler des Jahres“ für ihre hervorragende Arbeit bekommen? (Das kostet nicht viel, vielleicht 2 A4-Farbausdrucke aber man hat ne Menge Leistung dafür erbracht bekommen.) Ohnehin sind ja Künstler selbst Schuld, wenn sie eigene Projekte starten möchten. Dann sollen die doch mal bei Landratsamt und Stadtverwaltung an die Tür klopfen. Wir fördern nur Projekte die groß-größer-am größten sind und die es noch nie vorher gab und mit Leuten besetzt sind, die am Besten über einen akademischen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre verfügen, sie wissen ja, die administrativen Anforderungen bei solchen Projekten, das muss schon abgesichert sein… Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Kunst und Kultur seit 1995 keine Pflichtaufgabe der Kommunen mehr ist. Wenn man in den Verwaltungszimmern auf die leeren Kassen verweist, dann können Künstler und Kulturpädagogen nicht mal auf ein Gesetzestext tippen.
Kunst- und Kulturschaffende sind Bettler in einem der reichsten Länder.
Wo sind die „Mittel und Wege“, um unser „Vorhaben dennoch zu verwirklichen“?
Das Ziel unseres eingereichten Projektes war u.a.: Die Kulturschaffenden wollen erreichen, dass die Bedeutung der kulturellen Bildungsarbeit der Künstler und Literaten mehr Achtung und Anerkennung bei den politischen Entscheidungsträgern sowohl auf bundesweiter und regionaler Ebene findet.
Fast möchte man zitieren: „Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter.“