Das besondere Osterbuch von Wolfgang Wache und Yana Arlt
Werter Leser
mit dem Ostersonntag beginnt nach vierzigtägiger Fasten-/Passionszeit die Osterzeit. Sie wird fünfzig Tage lang bis einschließlich dem Pfingstfest gefeiert.
In dem lyrischen Austausch der Dichter Wolfgang Wache und Yana Arlt zu den Osterfesten der letzten Jahre spiegeln sich sowohl christliche Gedanken als auch Inspirationen von endendem und neu beginnendem Leben wider. Manches mal klingen
Naturstimmungen an oder die Auseinandersetzung mit Vorstellungen anderer Glaubensrichtungen. Ostern ist ein Frühlingsfest. Jetzt beginnt das neue Jahr. Mit einem Neuanfang kann aber auch ein Rückblick verbunden sein. Wo stehe ich und welche Erlebnisse haben mich hierher geführt? Was will ich anders machen? Was habe ich verloren oder was muss ich noch bereinigen? Wie füge ich mich in die Geschehnisse um mich herum ein?
Wolfgang Wache schreibt: „Gegenwärtig sind die Tage länger/ Ich überprüfe das Himmelsgewölbe/ wenn mein Osterfeuer/ die Verfinsterung erleuchtet/ Ostern war’s“ und in einem Text von Yana Arlt heißt es: „Ostern war’s/ als die Ungeduld Narzissenzwiebeln/ aus der Erde riss und die Scholle umbrach/ Die roten Eier fielen in die Maulwurfsgänge/ und gruben sich als Hasen einen Bau/ Niemand erfuhr etwas vom Verbleib der Nachkommen“
In der Publiktion „Ostern war’s“ sucht man vergeblich nach „hübschen“ Gedichten mit eingängigen Reimen. In diesem Buch zeigen sich die Dichter sehr persönlich, sie sezieren ihre eigenen Befindlichkeiten und gehen der Bedeutung des Osterfestes vielfarbig auf den Grund.
Ostern war’s – geschrieben am 5. und 6. April 2015
Unwohlsein des Leibes
beeinflusste den Tag
Gegenwehr war Machtlos
widerstand war sinnlos.
Aspirin dreimal täglich
im TV Kirchenfestberichte
Ostern war’s
Prophezeit jemand allzeit Charakterfestigkeit
inmitten freudloser Verdüsterung
Somit befreit er ideenreiche Glücksträume
Offenbarter Unerfahrenheit, ungekünstelter Fassungslosigkeit!
Entfaltung außerordentlich prophezeiten übellaunigen Tatendrangs
Glaubwürdig erwarteten Gedankenaustauschs aufhorchend
Was reicht ihm Furchtlosigkeit und Schöpferkraft
Ärgerlich, welcher resignieret
Ostern war’s
Am Rande der Baugrube
Plastiken Skulpturen
Bildhauereien.
Sie werden ins Fundament
als Fühlmasse gestoßen.
Ostern war’s
6 April 2,30 Uhr früh
Die eigenen Kräfte
kraftlos
der eigene Leib
körperlich
einschläfernde Ruhe, ruhe
Sehnsucht nach Wohlbefinden
Kampfunfähige Zeit
Mattigkeit Triumphiert
Unerwartet ganz übereilt
merkst du
in deiner Existenz
den zerfall deiner selbst
Haarpracht als Fotoerinnerung
Ersatzzähne im Wasserglas.
Ostern war’s
Lebenswege enden Nach der Geburt
irgendwann
Der Leib kräftigt sich
um sich selbst aufzulösen
Gebe ab
gebe dich ab
Stück für Stück
auf deinem kurzen Aufenthalt
zwischen
Kommen und Gehen
fruchtet Neues
Blumen verwelken
um wieder zu erblühen
In neuen Fundamenten
Reste
des damals Neuen
Hand in Hand
geh ich mit mir
an den Lebensrand
schau
hinab
Du und ich Du
der eigenen inneren
äußerlicher Gegensätzlichkeit
beiläufig erlernten wir
von Geburt an
die gnadenlose Unterjochung
unserer Natürlichkeit
Säugling
Lebensweg
Alte Menschen
Im Herbst fällt Laub
im Frühjahr blüht
im Supermarkt
alles
aber alles
wie Neu
Die Frau sagte
„Opa bleib schön im Auto,
komm gleich wieder,
gehe nur kurz einkaufen“
*Als sie zurückkam
stand er da
hilflos
mit Herhabgefallen Hosen
Ostern war’s
Geschrieben am 5. und 6.04.2015
* Nach einer wahren Begebenheit Wolfgang Wache
