Ostern war s‘

Ostern war s‘ ( am 05.04.2026 ab 5.45 Uhr geschrieben bis 11.19 Uhr von Wolfgang Wache)

Aufwirbelnde Sägespäne.

Manege

Orchester spielte leise

Unter dem aufgespannten Lebenszelt

voll Neugierde

 

Musik des Daseins

Mensch

auf zwei Beinen

Versucht das Stehen

auf einem

 

unsere ersten Gehversuche

Kunststücke

Naturregeln bedroht.

Schöpfung aus dem Nichts

Hände vor die Augen

 

Auf dem hohen Seil

Füße

behutsam präzis aufgesetzt

Fehltritt öffnet Tiefe

der erlebbar tödlich ist

 

Gegenwelt des Alltags

Scheitern

Akt der Befreiung

Kunst des Kunststücks

Aus der Diktatur des Immergleichen

 

Schaustellung des abhängigen

Applaus

Im Rausch des Tages

bedeutet die eigentliche Existenz

Scheinopfer für einen Auftritt

 

Sein im glitzernden Schein

Selbstgespräche

Als der Bleistift

Zu Papier brachte

Schweißtropfen der Gesichtsmaske

 

Immer unterwegs

Standort

Ankommen, Aufbau, Spielen

Abbau Weiterreisen

Fremde Straßen

 

Was machst du

Da

Ich schreibe

Machst du es für dich

Oder für andere

 

Sprosse um Sprosse

Lebensleiter

Durchgebogene Leiterholme

Angstschweiß auf der Stirn

Beim vorwärts Streben

 

Faszination bewegter Bilder

Früher

Erstaunte Betrachter

Allgemeine Bewunderung

Lebensrad bewegte Bildnisse

 

Vergessende Erfindungen

Schauspiel

Charme des Phänomens

bewegter Bilder

Die  das laufen lernten

 

Dort – damals

 

Abverlangte handwerkliche

Unmöglichkeiten

Der Erfindung des Rades

Kutschwagens Beförderung

Stellmacherischer Konstruktionslehre

 

Felgen aus Buchenholz

Wegstrecke

Geradlinig von einem Punkt

Zum anderen

Gezeigte Leichtigkeit und Schönheit

 

Schönheit eines jungen Mannes

Andeutung

In den schönsten Figuren

Mit Regung der Wollust

In einen entzückenden   Traum versenkt

 

Ostern war es

Heute

Und später

Wirkung und Regung

Triebfedern der Natur in Bewegung

Ostern war‘s

Gedanken zu meinem Gedicht:

In meinem Gedicht „Ostern war’s“ begegne ich mir selbst im Schreiben. Ich sehe das Leben im Vergleich zur Zirkuswelt, weil sich in ihrer Romantik die ganze Einmaligkeit des Daseins spiegelt: diese Mischung aus Schönheit, Gefahr und dem flüchtigen Glanz eines Moments, der nur existiert, weil er jederzeit kippen kann. Die Manege, das Seil, die Sägespäne – all das steht für mich nicht für Zirkusromantik im äußeren Sinn, sondern für die innere Welt des Erlebens, in der Staunen und Risiko untrennbar verbunden sind. Kunst erscheint mir darin als Befreiung aus dem Immergleichen, als Versuch, im Ungleichgewicht einen eigenen Stand zu finden. Das Selbstgespräch im Text zeigt mein Ringen mit dem Sinn des Schreibens – ob ich es für mich tue oder für andere, oder ob Schreiben selbst schon ein notwendiger Akt des Daseins ist. Die durchgebogenen Leiterholme und der Angstschweiß stehen für mein Vorankommen trotz Furcht, während die Erinnerungen an die frühen bewegten Bilder meine Faszination für das Staunen und die menschliche Erfindungskraft ausdrücken. Ostern wird für mich zum Symbol innerer Wandlung, eines wiederkehrenden Aufbruchs. So lese ich mein Gedicht als ein existenzielles Selbstporträt: ein Nachdenken über das Leben als Kunststück, über das Schreiben als Balance und über das Menschsein als fortwährende Wiederkehr im glitzernden, gefährlichen, wunderbaren Zelt unserer eigenen Erlebniswelt.