Der Kulturmacher besitzt heutzutage nicht einmal eine Kulturaufbauberechtigung


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VERGLEICHE – Ja, Vergleiche sind oft ein sehr gewagtes Unterfangen. Manchmal habe ich mich dabei erwischt, die Herangehensweisen eines Lausitzer Bergmanns mit der Herangehensweise eines Lausitzer Kulturmachers zu vergleichen. Dabei stelle ich mir vor, dass vor über einhundert Jahren der Bergmann zum ersten Male auf dem noch völlig unangerührten Lausitzer Boden stand. Vielleicht hatte er eine Karte in der Hand, die ihm anzeigte, für welche Gebiet er die Abbauberechtigung erworben hat. Welche wird seine erste Entscheidung sein. Schon hier hinkt der Vergleich Bergmann und Kulturmacher. Welche Berechtigung gibt es für den Kulturentwickler, welche Entscheidungen sind vergleichsweise zu treffen. Der Bergmann sucht zuerst die Stelle aus, an der er die Gebäudeanlagen der Grube errichten wird. Er wird dabei daran denken müssen, dass er an der Stelle wo er die Fabrikgebäude baut, er die Freilegung des Flößes ausschließen muss, weil die Fabrikgebäude keine Luftschlösser sind. Er wird die Stelle suchen, an der eine geringe Stärke des Kohlevorkommens vorhanden ist. Der Kulturmacher besitzt heutzutage nicht einmal eine Kulturaufbauberechtigung. Das war nicht immer so. In der Briesker Ortsgeschichte gab es nach 1945 doch so etwas ähnliches wie ein Kulturaufbauauftrag. Mir ist bekannt, um einen Neuanfang im kulturellen Leben von Grube Marga zu beginnen wurde Ende 1945 ein „Sport- und Kulturkartell Brieske-Grube Marga“, für „Sport, Chor, Tanz und Laienspiel“ gegründet. Im Jahr 1946 ging daraus z.B. die S.G. Marga als kommunale Sportgemeinschaft hervor und am 25. Juni 1946 wurde die „Gesangsabteilung Brieske-Grube Marga“ gegründet. Bald danach gab es die ersten öffentlichen Auftritte des Chores, der neugebildeten Blaskapelle, des Zupforchesters, der Tanz- und der Akkordeongruppe in Marga. Ab 1948 gab es dann Kulturhäuser für kulturelle Zwecke, in der Ausstellungen, Treffen, Vorträge, Konzerte, Diskos, Musikunterricht, Empfänge u.ä. stattfanden und in der sich kulturelle oder sportliche „Zirkel“ und Gruppen (Zeichenzirkel, Schreibzirkel usw.) betätigen konnten.
In fast jeder Stadt und in vielen Dörfern errichteten und finanzierten der Staat oder örtliche Großbetriebe ein Kulturhaus oder stellten die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Sie waren neben den Theatern, Kinos, Kirchen, Pionierhäusern und Sportanlagen ein wichtiger Teil der Alltagskultur. Somit haben die vom Braunkohlenkombinat betriebenen Kultureinrichtungen bis zum Ende der DDR für die kulturelle Betreuung in und um Senftenberg gesorgt.
Es gibt ab dem Wendezeitraum nicht mehr die betrieblich angestellten Kulturmacher und auch nicht mehr die Bergleute im Senftenberger Revier. Jetzt kommt das „Aber“, es gibt noch einen Verein in Brieske, der ein Zuhause für Kulturmacher bietet. Man glaubt es kaum, es gab den Kulturmacher, der zum ersten Mal auf dem zerwühlten Lausitzer Boden in einer Region völlig zerstörter Entwicklungsabläufe stand. Vielleicht hatte er ein selbstentworfenes Konzept in der Hand, für das er keine Aufbauberechtigung erworben hatte. Welche wird seine erste Entscheidung sein?
Die Macher des Vereins Nachwuchs-Literatur-Zentrum „Ich schreibe!“ haben schon über viele Projekte und künstlerische Aktionen entschieden – in den vielen Jahren auch mit großen Erfolgen. Darauf können sie stolz sein. Das bin auch ich gemeinsam mit meinen Mitstreitern.
Ich bin schon ein komischer Typ. Immer wenn ich etwas als sehr schön und als gelungen empfinde, möchte ich gern auch andere daran teilhaben lassen. So ging es mir stets mit den vergangenen literarischen und künstlerischen Vereinsaktivitäten. Die bereits 7 Jahre lang durchgeführten Lausitzer Lyrikfestivals, so glaube ich, waren mit eine der schönsten Treffen von Kollegen der schreibenden Zunft. Jeder der Teilnehmer hatte es bestätigt. Gern denke ich noch an das Lyrikfest in den Jahren 2018 und 2019 zurück. Bereits am ersten Festivaltag, dem Freitag hatten wir gemeinsam mit Graphikern und Malern eine Ausstellung mit Ergebnissen der sommerlichen Kunstpleinairs eröffnet.

Während dieser Veranstaltung lud ich 2018 gemeinsam mit Yana Arlt auf der neuen Kleinkunstbühne zu dem Leseprogramm „Menschenpunkte“ ein. Es wurden Texte in einer wunderbaren neuen Raumatmosphäre vorgetragen.

Durch verschiedene Lichtfarben und Klanginstrumente entstanden unterschiedliche Stimmungen. Auf der Leinwand begleitenden verschiedene Fotomotive aus der Lausitz die Lesung. Diese wunderschöne Leseperformance wurde abgerundet mit einem original russisch-kasachischem Büfett. Am nächsten Tag trafen ich und Jana Arlt uns mit den Dichterkollegen des „Autorenkreis Kornblume“ auf dem Marktplatz Brieske. Gemeinsam fuhren wir an den Senftenberger See und saßen pünktlich um 10:00 Uhr am Gründungsort unserer Dichtergruppe.

Das Wetter passte, Sonne schien. Auch während des Mittagessens in der „Niemtscher Mühle“, wenige Schritte vom Senftenberger See entfernt, fanden Gespräche über die zukünftige Arbeit statt. Ab 15:30 Uhr begannen die einzelnen Lesungen. Diesmal hatte jeder Zeit, den anderen Kollegen zuzuhören. Das kam bei allen Teilnehmern und den Gästen gut an. Einige sagten sogar, dass dieses Treffen das beste von den immer sehr gelungenen Festivals gewesen war. Als Veranstalter freut man sich darüber.

Am Sonntag stand ich dann zur Matinee mit Yana Arlt, Stefan Reschke und Alexander Kiensch im und auf dem literarischen Labyrinth. Ich bin immer noch begeistert von dieser wunderschönen Dichterbegegnung.
Eigentlich, das muss ich an dieser Stelle gestehen, wollte ich aufhören. Die Finanzierung wird ja immer schwieriger, der Weg zu den Fördertöpfen, von denen immer behauptet wird, dass sie gut gefüllt sind, wird immer steiniger. Manche denken, wenn die Veranstaltung zu Ende ist, ist alles gelaufen. So ist es eben nicht. Die Vor- und Nachbereitungen kosten jedes Mal viel Kraft und Ausdauer. Genau das ist es auch, was uns Freischaffende und kleinere Vereine ein wenig abschreckt, solche großen Projekte anzugehen.


Was ist in den letzten Monaten geschehen?
Hat ein Virus bestehende gesellschaftliche und kulturelle Instabilitäten in Deutschland sichtbarer gemacht? Wie stabil ist der deutsche Kulturbereich vor der Krise gewesen? Und wie müsste er verändert werden, um künftig krisenfester aufgestellt zu sein? Warum nicht aus der Not eine Tugend machen und die Krise zum Anlass nehmen, einige bestehende Prinzipien grundsätzlich infrage zu stellen?
Gern möchte ich das 8. Lausitzer Lyrikfestival im Monat September 2020 zum Anlass nehmen, um mit Kollegen darüber zu diskutieren.
Jeder kann sich mit seinen Ideen und Wünschen bei der Vorbereitung der Aktivitäten des kommenden Lyrikfestivals am 4. bis 6. September 2020 einbringen.
Dabei können wir auf alle Fälle Vergleiche vergleichen.


Wochenthema 20kw20
vom 11. bis 17. Mai 2020
VERGLEICH-EN

Die Idee einen Ort einzurichten, an dem literarische Werke und literarisch und künstlerisch Schaffende, die sich der Lausitz widmen, ein Zuhause finden.

Kunst im Margahof – 2019

Mir reichte es noch nie, nur den Stand der Dinge festzustellen. Mir geht und ging es immer darum, Lösungswege zu schaffen. Bis vor einer Stunde hatte ich einige junge Menschen in unseren Briesker Kunsträumen zu Gast, diese jungen Leute haben nach ihrer Arbeitszeit oder Schulzeit das Bedürfnis mit uns gemeinsam kulturelle-literarische- künstlerische Wege zu gehen. Das ist gut so. Das ist immer eine langwierige Arbeit. Diese jungen Leute habe ich schon teilweise als Kinder in den Grundschulen unser Region betreut. Gefreut habe ich mich auch darüber, dass es uns gelungen ist beim Weihnachtsmarkt gemeinsam mit Jugendlichen ein Puppentheaterstück zur Aufführung zu bringen. Es ist mir in meinen vielen Jahren an der Kulturfront, schon des öfteren gelungen, den ein oder anderen für ein Kunststudium zu begeistern. Oft frage ich, ist das richtig, was ich da mache. Welche Perspektive haben denn diese Menschen in unserer Region. Oft verlassen sie ihre Geburtsstadt und ziehen in die Großstädte. Wir haben keine Grundbasis für diese gut ausgebildeten Fachkader in literarischen / künstlerischen Bereichen. Wie Ihnen bekannt, versuche ich mit bescheidenen Mitteln solch eine Basis in Brieske zu schaffen. Trotz vieler Fördergeldablehnungsbescheide habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Gestern erhielt ich wieder einmal einen Ablehnungsbescheid und heute erhielt ich ein Dankesschreiben für ein Projekt, das wir im Jahr 2019 gemeinsam mit der Aktion Mensch durchgeführt haben. Das tut gut. In den nächsten Tagen werde ich ein Konzept an den Lausitzbeauftragten schicken und um finanzielle Unterstützung bitten. Die Idee einen Ort einzurichten, an dem literarische Werke und literarisch und künstlerisch Schaffende, die sich der Lausitz widmen, ein Zuhause finden, wartet schon lange auf seine Umsetzung und Verwirklichung. Es geht darum, Perspektiven für Fachpersonal im kulturpädagogischen und künstlerischen Bereich für die Zukunft zu schaffen. Ein Ort, an dem Kultur lebt und gelebt wird. Der Nachwuchs-Literatur-Zentrum „Ich schreibe!“ e.V. stellt sich mit zukünftigen kulturellen- künstlerischen literarischen Projekten die Aufgabe, in Brieske, in der ehemaligen Arbeiterkolonie Grube Marga – heute bezeichnet als Gartenstadt Marga – in der vorhandenen Vereinseinrichtung „Begegnungsstätte & Galerie MARGA“ die kulturelle Bildungsarbeit für alle Bevölkerungsschichten in der Region hervorzuheben. Damit wird ein kultureller- touristischer Ankerpunkt in der ehemaligen Bergbauregion wachsen. Zu den vielfältigen Aktivitäten zählen u.a. Kinder- und Jugendgalerien, Kunstwerkstätten, Ausstellungen zum Thema Erinnerungskultur, Vorträge, das Lausitzer Lyrikfestival, die Lausitzer Literatursammlung mit Materialrecherche, -sichtung und –aufarbeitung des Lausitzer Literaturguts. Durch kreativwirtschaftliche Herangehensweisen soll erreicht werden, dass Arbeitsplätze für Kulturpädagogen und Kulturschaffende entwickelt werden und sich selbst erhalten können. Ein besonderer Augenmerk liegt dabei auf der nachhaltigen Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und allen Erwachsenen. Als kulturtouristisches und kulturelles Bildungszentrum bietet die Galerie, Kleinkunstbühne, Kunstwerkstatt eine breite Angebotspalette an regelmäßigen Veranstaltungen (Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Workshops u.a.) in allen Bereichen der Gegenwartskultur. Kunstpleinairs und schöpferische Sommerakademien bündeln die Potentiale von regionalen Künstlern mit überregionalen Künstlern gleicher oder verschiedener Sparten im Sinne des Vernetzungsgedankens. Das Engagement in Marga wird in die Lausitz und über Ländergrenzen hinaus ausstrahlen. Daran werde ich in der Zukunft weiterhin mit meinen Mitstreitern arbeiten. Es lohnt sich. ( Foto: Kunst Im Margahof, Juli 2019 / Susann Vogel im Gespräch mit Wolfgang Wache über die Vereinsarbeit, sein Anliegen und das Kulturmachen in der Lausitz

Ich grüße Sie freundlichst

Wolfgang Wache

Brieske-Marga, 21. Januar 2020

DAS WAR: Kunst Im Margahof / Juli 2019

Bevor Frank Kaiser in die Saiten griff und seine Gesangspartnerin Claudia Wandt mit klarer, vielgestaltiger Stimme als Duo „Que pasa!“ ein umfangreiches Liedrepertoir darboten, gab es am vergangenen Wochenende auf dem Margahof und in der Begegnungsstätte & Galerie MARGA verschiedenste Dinge zum Sehen, Staunen und Mitmachen.

Frank Kaiser ~ Duo „Que pasa!“
Claudia Wandt ~ Duo „Que pasa!“


Die Vereinsmitglieder des NLZ „Ich schreibe!“ gaben im Viertelstundentakt einen Einblick in die Kunst- und Kulturaktivitäten. Natürlich war die Leseratte Raz mit dabei und sorgte besonders bei den kleinen Gästen für leuchtende Augen. Im Atelier herrschte bei der Malaktion „Sommerregen“ Dauerbetrieb, der Kaffee und Wein des Eine-Welt-Ladens und der hausgebackene Kuchen fanden reißenden Absatz, an dem Infostand der Domowina Ortsgruppe Senftenberg war vieles über das sorbische Leben der Region zu erfahren und bei dem Reimspaß schmunzelte und kicherte mancher Zuhörer. Der Vereinsvorsitzende des Kulturvereins, Wolfgang Wache, informierte auf der Bühne über die weiteren Vorhaben z.B. den Kreativnachmittag „Jeder kann ein Künstler sein“ immer donnerstags ab August 2019. Vor der Bühne wurde gemeinsam getrommelt und getanzt. Die Ausstellungen zum Leben und Arbeiten in Brieske-Marga und die Sonderausstellung „Am Uferrand mit dem Wassermann plauschen – Die Elsterniederung im 19. Jahrhundert“ waren kostenfrei zugänglich, auf Leinen rund um den Margahof wurden die Werke junger Künstler, die während des Jugendkunstpleinairs im Juni entstanden, präsentiert. Das Glücksrad vor der Lotto-Stelle drehte sich unablässig. Doch hin und wieder mussten die Mitwirkenden und Gäste vor dem Sommerregen Zuflucht suchen unter den Zelten, die ein Senftenberger Zeltverleih glücklicherweise aufgebaut hatte. Es war eine Probe, ob der Margahof für ein Kulturevent taugt. „Hier ist eine tolle Atmosphäre“, sagte eine Besucherin, „das belebt die Gartenstadt richtig“. Solche Reaktionen und jeder Schein im Spendenglas für den Kulturellen Ankerpunkt MARGA freuen die Organisatoren. Nun geht es in die Planung für die nächste Kunstaktion am ersten Septemberwochenende.


Noch ein Hinweis für die Gäste:
Der Eintritt zu allem ist frei.
Füllen Sie unser Spendenglas!

Susann Vogel und Wolfgang Wache stellen
im Gespräch den Verein NLZ „Ich schreibe!“ vor.

Wo hört der Puppenspieler auf, wo fängt die Puppe an?
Lydia alias Bücherwurm Vermiculus und
Jana alias Raz hatten viel Spaß beim Streit über Kunst.
Wolfgang kam wie immer kaum zu Wort…

Über das stetige Kommen und Gehen im
MARGA-Atelier freute sich Renate Hensel.

Faire-Produkte machen scheinbar glücklich.
Wenige Schritte entfernt steht ja auch noch das Glücksrad 😉

Das Lesehonorar für Bernd Lunghard war:
ein Stück Tafelkreide.
Das hat mit einem seiner Gedichte zu tun.

Noch trauen sich die Gäste nicht, die Einladung
der Gruppe „Ziegenfell“ zum gemeinsamen
Trommeln anzunehmen…

Auch Tanz gehört zur Kunst und somit zur
„Kunst Im Margahof“

Müde Füße vom langen Tag?
Ulrike genießt das Kräuterfußbad, das
Edith mit eigenen Gartenkräutern mixte.

DANKE!

Eventservice & Zeltverleih Christian Koschinsky
Kranich e.V. / Eine-Welt-Laden / Kaffee ~ Ulrike, Tabea, Stefan
Lotto-Shop ~ Marion Streese
Malaktion „Sommerregen“ ~ Renate Hensel
Reimspaß ~ Bernd Lunghard
Moderation / Interview ~ Susann 
Puppenspiel/ Vermiculus ~ Lydia
Domowina Ortsgruppe Senftenberg ~ Günter Paulisch
Trommler „Ziegenfell“ ~ Ulrike, Sabine, Annett
Kuchen ~ Veronika, Edith
NLZ-Stand ~ Nanette
Kräuterfußbad ~ Edith
Zeltaufbau / Grillwurst / Getränke ~ Jessi
Galerie auf der Leine ~ Wenke Richter, Anika Raaz
Ordnung und Sicherheit ~ Veronika, Ares
Elektrik ~ Hartmut
Geschichteneintopf ~ Iris Fritzsche

Bewohner „Im Margahof“ für das Abstellen der Fahrzeuge außerhalb des Hofes

Gedanken von Yana Arlt zu Förderung kultureller Bildungsarbeit

Bildung und Kulturelle Bildung sind ein „Business“ —- nein — noch einmal ohne Anführungszeichen —- vielleicht mit Ausrufungszeichen, um es allen ganz klar vor Augen zu führen: Bildung ist ein Business!
Und es gibt viele, die dir genau sagen können, wie du es zu handhaben hast! Nun, dann begebe ich mich auf eine dieser „Ratgeberseiten“ und finde: Cafe eröffnen / Restaurant eröffnen / Bar eröffnen / Fitnessstudio eröffnen / Laden eröffnen / Onlineshop erstellen / Modelabel gründen / Fahrschule gründen / Zeitarbeitsfirma gründen / Reinigungsfirma gründen / Kneipe eröffnen / Bioladen eröffnen / Unternehmensberatung gründen / Reisebüro eröffnen / Musiklabel gründen / Pflegedienst gründen / Kiosk eröffnen / Imbiss eröffnen / Boutique eröffnen / Eisdiele eröffnen / Pizzeria eröffnen / Franchise gründen / Ingenieursbüro gründen / Werbeagentur gründen / Personalverwaltung gründen / Hausverwaltung gründen / Physiotherapie eröffnen / Club eröffnen / Hotel eröffnen / Apotheke eröffnen. Schule? Kita? Hort? Kunstschule? Fehlanzeige! Das verwundert nicht, heißt es doch im „Positionspapier des Deutschen Städtetages zur kulturellen Bildung“ vom Juni 2019: „Kinder- und Jugendarbeit sind eine kommunale Aufgabe, in deren Rahmen selbstverständlich auch die kulturelle Bildung einen gewichtigen Platz einnimmt. Sie zählt deshalb auch im Kinder- und Jugendhilferecht zu den Pflichtaufgaben kommunaler Jugendarbeit (SGB VIII,§ 11(3)“ Ich wiederhole, nur zur Sicherheit: eine „Pflichtaufgabe kommunaler Jugendarbeit“! Klingt das gut? Hört sich das so an, dass man sich als Kultur- und Kreativpädagoge tatsächlich auf die Inhalte konzentrieren kann, dass man sich ganz dem schwierigen Feld der Kulturellen Bildungsarbeit widmen kann, weil ja die verwalterischen, mithin finanziellen Grundlagen von kommunaler Seite geschaffen und abgesichert sind? Ich verweise auf eine E-Mail, die uns am vergangenen Freitag erreichte, in der Folgendes stand: „Sie leisten in MARGA kulturelle Bildung, die per se nicht profitorientiert ist. Dennoch empfehle ich für diesen Umfang der Förderung eine Art Business Plan mit folgenden Fragen bzw. deren Antworten zu entwerfen: […]“ Es folgen 9 Punkte, deren Abarbeitung an den Rand des Wahnsinns treibt. Während ich nun stunden- und tagelang über dieser Ausarbeitung verzweifle, die am Ende nur schön gedrechselte Worte auf Papier sind und die nie Grundlage meiner wirklichen Arbeit sein können, kann ich keine Kurse vorbereiten, nicht in die Bildungs- und Erziehungseinrichtungen gehen, keine Ausstellungsbesucher begrüßen und betreuen, keine Öffentlichkeitsarbeit machen, mich nicht weiterbilden … kurz, ich kann nicht das tun, weshalb ich das alles überhaupt tue. Ich sitze an der Drechselbank und mache Stuhlbeine für einen Stuhl, auf den ich mit 50%-iger Wahrscheinlichkeit nie sitzen werde. Und ich kann diese Stuhlbeine noch nicht mal verkaufen, sie werden von mir abverlangt. Ich investiere Geld und vor allem Zeit für das Material, die Materialbeschaffung, die Werkzeuge bzw. deren Beschaffung, eigne mir die Fertigkeit des Drechselns an – ohne dass ich je einen Cent dafür sehe. Dann liegen sie vor mir – vier Stuhlbeine, solides Holz, zauberhafte Muster, poliert und lackiert, jetzt brauche ich von euch die Sitzfläche und Rückenlehne, damit es ein Stuhl wird. Aber, die gibt’s nicht. Begründung? Wir haben leider, eigentlich wie in jedem Jahr, zu wenige Sitzflächen, an Rückenlehnen ist gar nicht zu denken – wenn wir genau schauen, entdecken wir in den von Ihnen gefertigten Beinen auch kleine Löcher, es könnte doch sein…. In der Tat, in dem ganzen System:

steckt der Wurm drin