Grubenlampe

Lyrik, Prosa, Klänge und Gespräche von und mit Lausitzer Autoren

Yana Arlt und Wolfgang Wache laden KünstlerkollegInnen ein, um im Schein der „Grubenlampe“ Literatur, Bilder und/ oder Filme in Brieske-Marga zu präsentieren.
Neben eigenen Werken werden auch Geschichten, Gedichte und grafische Beiträge aus der „Lausitzer Literatursammlung“ vorgestellt. Der Zuhörer/ Zuschauer erlebt ein vielseitiges Programm, das das tägliche Leben und Arbeiten in der ehemaligen Berbauregion und im sich entwickelnden Lausitzer Seenland widerspiegelt.

Vorgestellt werden auch Texte aus dem Buch „Das schwarze Gold ist verbrannt“.


Ostern war’s

Lebensphilosophische Lyrik von Wolfgang Wache und Yana Arlt

Hat Gott zwei Welten geschaffen?
Die meine – und die der anderen
Ich will meine Welt erfahren
Zutritt hat nur der, der seinen
Nebenmann mehr achtet, als sich selbst
Ostern war’s!

aus Wolfgang Wache „Ostern war’s 2003“
Seit 2003 setzen sich die beiden Dichter in einem österlichen Verseaustausch mit den allgemeinen und zeitaktuellen Fragen und Entwicklungen auseinander. Der Titel „Ostern war’s“ verweist dabei hauptsächlich auf die Entstehungszeit der Texte im Frühjahr.


Gedichte hören, lesen und sehen

„Es zerreißt mich“

Gedichte hören, lesen und sehen

Eine Lesung mit Wolfgang Wache, Senftenberg. (Jahrgang 1949)

Wolfgang Wache folgt fast süchtig einem inneren Drang, mit Worten seine Art des Sehens aufzuschreiben, ein Regentropfen, den wir am Fenster als alltäglich ansehen, wird bei ihm zum Tropfen einer Idee, der zum Rinnsal wird und als Strom von Gedanken im Meer des Seins mündet. Das ist sein Glück vom Sein. Und genau dieses Alltägliche ist der Angelpunkt seiner Texte. Sehr häufig ist es der Mensch, den er sieht und fühlt, fühlt und sieht mit den wissenden Augen des Dichters, denn Poesie ist eine andere Art der Wirklichkeit, eine Art, das Gesehene zu hinterfragen, tiefer zu empfinden und zu verstehen.
Das zeigt sich deutlich in seiner Beschreibung der Einsamen, die die Arbeit verloren haben, denen von einem disziplinierten Arbeitstag nur ein Tag ohne Einteilung und Pflicht geblieben ist, oder von der alten Elsbeth, die ein „Mordsweib“ war, aber heute nur noch in Erinnerungen an die Erinnerungen lebt. Aber nicht umsonst nennt Wolfgang Wache einen Clown mit den vielen Gesichtern hinter der Maske, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, seinen Lehrmeister, denn immer soll auch ein Neuanfang gewagt werden, soll der Einsame sich seines alten „Ichs“ besinnen und für Neues verfügbar sein, wenn dies auch nur der Duft der Pfefferminze ist, die in jedem neuen Frühjahr mit berauschendem Duft die Sinne belebt und verwandelt.
Würde ein Reporter ihn fragen, worüber er schreibt, würde er mit dem Gedicht antworten: „Es zerreißt mich“, welches auch der Titel eines seiner Bücher ist. „ Ich schreibe über dich, über mich, über uns… ich will doch nicht bloß über die jammern, die da jammern, ich möchte mich lieber über das kurze Dasein der stolz im Wind stehenden Kornblume erfreuen… ich will aufschreiben, was ich aufsauge…“ Kornblume nennt er deshalb auch seinen Arbeitskreis für junge Literaten, denen er einerseits seine Weise des Schreibens weitergeben will, die er andererseits auffordert, sich selbst einzubringen, denn der Dichter hat für seine Arbeit nur sich selbst, und Wolfgang Wache nennt sein tägliches Schreiben von Versen Arbeit, bei der er sich tagtäglich dem Unverstanden sein der anderen aussetzt.

Was macht ein Kunst- und Kulturverein wie der NLZ „Ich schreibe!“?

Organisiert er Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Aufführungen, Feste und Festivals? Ja! Und mehr!

Nicht das Konsumieren als Besucher, als Publikum irgendwo sitzend oder stehend und nur sehend und hörend hat den Vorrang sondern die Bewegung. Die Auseinandersetzung mit eigenen Gedanken- und Gefühlswelten, die dann ein Gedicht werden oder ein Bild, eine Tonplastik oder ein Theaterstück, ein Foto oder ein Film. In Bewegung kommen, seinen eigenen Ausdruck finden und kommunizieren, sich austauschen und inspirieren lassen, andere teilhaben lassen.

Anfang September trafen sich Dichter und Bildkünstler auf dem Margahof der Gartenstadt Marga. Nach Monaten des Rückzugs, der Isolation kamen sie in der Begegnungsstätte & Galerie MARGA zusammen, um gemeinsam an der Edition „Jeder ist ein (Lebens)Künstler“ zu arbeiten. Der Margahof wurde zum Freiluftatelier. Bei schönstem Spätsommerwetter mit Regeneinschüben wurde gedichtet, gezeichnet, gelesen, gedruckt wie zu Gutenbergs Zeiten und Buch für Buch per Hand gebunden. Junge Poeten wie die 15-jährige Hanna aus Senftenberg arbeiteten ebenso eifrig wie der 78-jährige Ingo Cesaro, der den Werkstattteilnehmern das Setzen und Drucken der am Vormittag gedichteten Haikus zeigte. Die Grafiker und Maler ließen sich von der Architektur und den blühenden Gärten Margas inspirieren. Die Gespräche beim gemeinsamen Mittagsmahl waren ebenso bedeutsam wie die Präsentationen der Autoren wie Stefan Reschke aus Potsdam und Alexander Kiensch aus Stuttgart auf der Lesebühne. Von Freitag bis Sonntag herrschte Bewegung auf dem Margahof, immer wieder kamen Neugierige, Kunst- und Kulturinteressierte, genossen die künstlerische Hofatmosphäre, probierten sich sogar selbst aus.

Wie auch immer in den kommenden Wochen und Monaten der Umgang der Menschen miteinander geprägt sein wird, der „Ich schreibe!“ e.V. wird sich als kultureller Ankerpunkt weiter entwickeln, wird neue Formate kreieren und bewährte Projekte wie die Geschichte der Bergarbeiterkolonie Marga, die „junge Kunst in MARGA“ und die „Lausitzer Literatursammlung“ ausbauen.

Für den 24. + 25. Oktober 2020 ist der „Tag des offenen Ateliers“ mit der Leseperformance „Die Wand“ geplant. Am 8. November 2020 soll die Reihe „Literarisches Schaffen in Senftenberg – Früher, Heute, Morgen“ fortgesetzt werden.

Aktivitäten der vergangenen Monate:

Werkstatt Lyrik trifft Grafik
Edition „kaleidoskopisch“
Führungen durch die Ausstellung und die Gartenstadt MARGA
Videobeiträge zu den Arbeiten der
„jungen Kunst in MARGA“
Unterwegs im Lausitzer Seenland
mit Skizzenblock und Schreibbuch
Gespräche mit Landespolitikern über
die schwierige Situation von Künstlern
und Kulturpädagogen
Teilnahme an der „Night of Light“,um auf die prekäre Lage
der Veranstaltungsbranche hinzuweisen

Vorbereitung Tag des offenen Ateliers 24. + 25. Oktober 2020 in MARGA


Auf den Zug warten. Hin und her laufen. Warten!
Die Gleise sind schon längst rostbraun. Warten!

… so beginnt ein Text von mir, der eine Verbeugung vor dem Surrealismus ist.

Gerade entsteht dazu die passende Szenerie aus Gipsbinden und Acrylfarben. „Enthüllt“ wird das Kunstwerk zum Tag des offenen Ateliers am 24. Oktober 2020 um 14:14 Uhr!

Begegnungsstätte & Galerie MARGA
Platz des Friedens 2 / 01968 Senftenberg OT Brieske
TAG DES OFFENEN ATELIERS
Samstag, 24. Oktober 14 – 19 Uhr
Sonntag, 25. Oktober 11 – 18 Uhr