Kinder in Marga ~ Das Früher mit dem Heute vergleichen

Werter Leser,

gestern geschah auf den Straßen von Brieske-Marga etwas Großartiges!
Für den uneingeweihten Vorübereilenden sicher kein besonderes Ereignis, waren es doch „nur“ ein paar Kinder, die als Gruppe über Schotterwege und Asphaltstraßen spazierten. Hier und da blieben sie stehen; ein Mann sprach, zeigte, gestikulierte mit Papierblättern in der Hand; die Kinder schienen interessiert, folgten dem Zeigefinger, scharten sich um die Blätter mit sepiafarbenen Bildern …
Wolfgang Wache, Ortschronist von Brieske-Marga und Schriftsteller, war an diesem Tag aufgeregt. Das sah man ihm nicht an und es verwundert etwas, ist er doch seit Jahrzehnten mit und für Kinder unterwegs. Schon früher waren es Angebote der künstlerischen und kulturellen Bildung und immer wieder Schüler- und Fereienkindergruppen, denen er die Geschichte der Arbeiterkolonie und Gartenstadt Marga vermittelte. Was war also am gestrigen Tag anders? „Je älter ich werde, umso bewusster wird mir die Verantwortung der heutigen Großeltern- und Elterngeneration gegenüber den Jungen.“, meint der 65 Jährige, „Wer neue Wege gehen und seine Gegenwart und Zukunft aktiv gestalten möchte, muss sich der alten Wege bewusst sein.“
Wolfgang Wache ist nie einer von denen gewesen, die ein Loblied auf die „gute alte Zeit“ singen – dazu ist sein Blick zu kritisch. „Gesellschaftsordnungen, Parteien, Kirche und Staat – das sind alles Gebilde, die aus vielen Einzelnen bestehen. Die Menschen ändern sich nicht, wer einen hinterhältigen Charakter hat und Familie und Freunde verrät, der tut es, egal in welcher Gesellschaft.“ Vielleicht sind diese Gedanken auch angestoßen von der persönlichen Erinnerung an die Zeit der politischen Wende vor vierundzwanzig Jahren. Wenige Tage zuvor schwangen Politiker Festreden zum „Tag der deutschen Einheit“, einen Tag nach diesem Spaziergang durch Marga wäre der 65. Geburtstag der DDR gefeiert worden.
Brieske-Marga war kaum in den Grundzügen fertiggestellt, da begann der Krieg, der als 1. Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte; die Auswirkungen des 2. Weltkriegs bekam Wolfgang Wache als Kind zu spüren.
Wenn man an den sanierten Häusern vorüber geht, denkt man an so vieles nicht. Aber der Ortschronist hat Fotos in der Hand. Sie bezeugen die Zeit des Aufbaus. So verschieden zu den Kindern, die auf den Abbildungen zu sehen sind, sind die heutigen Mädchen und Jungen gar nicht. Mit Begeisterung stellen sie eine Szene nach und steigen mit ihrer Vorstellungskraft in das Bild hinein. Das ist Spaß und Geschichtsvermittlung in einem.
Wolfgang Wache freut sich, dass er jetzt auch solche Gruppen in die erweiterten Räume der Ortschronisten Brieske-Marga führen kann. In der „Begegnungsstätte für Ortsgeschichte und kulturelle Bildung“ gibt es viel zu entdecken und zu jedem Stück könnte man seitenlange Geschichten erzählen. Aber schon ist die Zeit herum. Es bleiben noch viele Fragen. Für Wolfgang Wache steht fest: „Das Angebot ist ausbaufähig und wir müssen Lehrer und Eltern darüber informieren. Obwohl es gerade einmal 108 Jahre her ist, dass die Grube Marga erschlossen wurde und mit dem Bau der Arbeiterkolonie begonnen wurde, steckt eine Menge Geschichte in diesem Ort.“, so der Marganer, „Das sind nicht immer schöne Ereignisse und Erfolge aber aus Schwierigkeiten und in schweren Zeiten lernt man manchmal mehr und weiß dann, was man besser machen kann.“
Text geschrieben von Jana Arlt

Lesung am 20.09.2014 in Brieske -Kornblumen gießt man nicht

„Warum wählten Sie gerade die Kornblumen?“, ist eine Frage, die dem Künstler Wolfgang Wache immer wieder gestellt wird. „Fünf Jahre wollte ich unter Begleitung der blauen Blüten, die am Rand von Getreidefeldern zu finden sind, verschiedenen Fragen auf den Grund gehen und eigene Ideen umsetzen.“, so der Schriftsteller, Vereinsvorsitzende des Literaturzentrum „Ich schreibe!“ e.V. und Verleger aus Senftenberg/ Brieske. Durchaus erfolgreich zog der fast 65 Jährige am vergangenen Samstag die Bilanz für seine künstlerische und kunstvermittelnde Arbeit der vergangenen Jahre. Die Schwierigkeiten, die sich in den Bereichen der Kunst und kulturellen Bildung ergeben, sind immer die gleichen: zu wenig Geld, Selbstausbeutung, erdrückende administrative Verpflichtungen und fehlende Lobby. So wundert es nicht, dass Wolfgang Wache voller Nachdruck mit seinem „Bekenntnis zur Poesie“ die Projektfinissage „Kornblumen gießt man nicht“ beginnt. Schon in den folgenden Ausführungen erkennt man den Kampfgeist des Marganers, der das Wort „Rentner“ immer mit „Sterben in Raten“ vergleicht. „Der Blick ist nach vorn gerichtet“ und „Ich träume von einem Kompetenzzentrum für Schreibende“ sind zwei Texte, die in den vergangenen Jahren für den Vereinsblog „Ich schreibe!“, den Newsletter „NLZettel“ und seinen eigenen Blog entstanden sind. Wolfgang Wache verfolgt eine klare Linie, die auch im Filmportrait wiederzuerkennen ist, das das Regionalfernsehen kurz vor seinem 65. Geburtstag mit ihm erstellt hat. Im August lief es in einer Wochenendschleife und wurde nun noch einmal für die auswärtigen Gäste aus Halle, Siegen und Köln gezeigt. Wolfgang Waches Herz schlägt seit seiner Kindheit für spannende Geschichten und poetische Erzählungen, später fand er im eigenen literarischen Schaffen immer mehr zur einfachen Form. In seinem Text „Wird schon werden“ entstehen aus wenigen Sätzen im Kopf der Zuhörer ganze Romane. Es sind nur ein gutes Dutzend Zeilen, die er auf Wunsch der Autorenkollegin Yana Arlt an diesem Nachmittag vorträgt. Oft reden die Beiden über das Schreiben, die Literatur und sie entwickeln gemeinsam neue Programme, um in Schulen und sogar in Kindergärten die Jüngsten fürs Lesen, Erzählen und Schreiben zu begeistern. Die Gäste der Finissageveranstaltung bekamen in den neunzig Minuten viele neue Gedanken mit auf den Weg und erfuhren, dass Wolfgang Wache auf jeden Fall noch voller Elan und Visionen steckt.

Text und Fotos: J.A.

Wolfgang Waches spontane Einladung zum 20. September 2014

Einladung

zur Projektfinissage „Kornblumen gießt man nicht“

Spontaneität ist eine Ausdrucksweise von Kreativität!
Deshalb habe ich mir gedacht, dass ich zu meiner besonderen Veranstaltung am

20. September 2014

spontan die Menschen einlade, die kurzfristige Entscheidungen treffen können. Es ist eine Herausforderung: kurzentschlossen am kommenden Samstag in Brieske-Marga dabei zu sein, wenn ich über das Kornfeld mit den blauen Kornblumen spaziere.
Plakat-Kornblumen_20Sep14
 

Wenn wir uns jetzt nicht die Zeit nehmen, an Vergangenes zu erinnern und für Zukünftiges zu planen, kann es morgen schon zu spät sein.

 

Wolfgang Wache

Das war das Lyrikfest am 6.9.2014 in Senftenberg

Alexander Kiensch-3.v.li. beim Lyrikfest 2014„Lyrikfest in Senftenberg“ ist eine ganz spannende Angelegenheit. Beginn 14:00 Uhr. Um 13:00 Uhr war das Regiegespräch mit allen mitwirkenden Lyrikern angesetzt. Dann klingelte das Telefon unterbrochen. Eisenbahnerstreik. Die Nerven lagen beim Veranstalter frei. Dann war es kurz vor 13:00 Uhr. Die Sonne schien. Nach und nach trafen sich die Lyriker unter den schattenspendenden Bäumen auf dem Hinterhof des Kultur- und Freizeitzentrums „Pegasus“. Es begrüßten sich 23 Künstler der lyrischen Sprache zu einem Austausch und zum literarischen Kennenlernen. Niemand brauchte dem anderen erklären, warum er die Welt mit komprimierten Stilmitteln der Lyrik betrachtet. Jeder weiß darüber Bescheid. Das merkte man bei den Gesprächen unter Kollegen, während des Lyrikfest 2014_Begrueßung durch Wolfgang Wachegesamten Lyrikfestes am 6.September 2014. Wenn man zu einem Fest einlädt, bringen die Gäste gewöhnlich Geschenke mit. So war es auch bei diesem Fest. Jeder der eingeladenen Wortkünstler brachte seine besten Texte mit. Die Gastgeber Yana Arlt, Stefan Reschke, Susann Vogel, Alexander Kiensch und Wolfgang Wache wurden reichlich mit wunderbaren lyrischen Texten als Dank für ihre Einladung beschenkt. In den Versen spiegelten sich Sorgen, Ängste und die vielen schönen Augenblicke des Lebens wider. Zu dieser Begegnung deKornblumen-Eroeffnung Lyrikfest 2014r Lyriker in Senftenberg war auch jeder Gast herzlich willkommen. So freuten sich die Künstler über das Interesse des Bürgermeisters Andreas Fredrich. Auch gute Partner im Bereich der Literaturvermittelung, wie die Leiterin der Stadtbibliothek, Frau Bischoff und Frau Lachmann, Inhaberin von Tenglers Buchhandlung, ließen es sich nicht nehmen, beim zweiten Fest der Lyrik dabei zu sein. Es gab viele Gespräche darüber, was zu tun ist, um stärker als bisher diese besondere Form der künstlerischen Ausdruckweise ins öffentliche Interesse zu rücken. Alle Teilnehmer dieser Veranstaltung sind und waren sich einig, dass diese Senftenberger Veranstaltung für die öffentliche Diskussion über den Zugang zur Poesie eine großen Beitrag geleistet hat.
Wolfgang Wache

Jubiläums-Post von Wolfgang Wache ~ 2. August = 1 Jahr NLZ-Blog

Seit einem Jahr gibt es://nlz-ich-schreibe.blogspot.de, auf dem eine Gruppe Lyriker fast täglich, über ihre Gedanken und Aktivitäten berichten. Ich wollte zu diesem Anlass einige lustige Zeilen schreiben. Ich hatte auch schon mit der Erarbeitung eines Jubiläumsbeitrages begonnen. Aber es will und will mir nicht gelingen, die richtigen heiteren Worte zu verfassen.

Immer wieder kommt mir die Frage in den Kopf, warum ich eigentlich schreibe. Was treibt mich dazu. Über was schreibe ich eigentlich. Ich schreibe doch über mich, über uns Menschen. Ja, ich schreibe auch über die kleine Blume am Wegesrand. Ich erlebe tagtäglich die Kompliziertheit des Miteinanderlebens. Es macht mich unglücklich, dass ich viele Abläufe nicht so verändern und beeinflussen kann, wie ich es manchmal gern möchte. Ich höre jeden Tag die Informationen über Machtkriege. Ich erlebe die kleinen Intrigen in der engsten Umgebung. Da kann ich nicht einfach etwas Lustiges schreiben und so tun als sei alles in Ordnung. Nichts ist in Ordnung. Es werden Dörfer abgebaggert. Es wird täglich gemordet. Es gibt finanzielle und geistige Armut. Es wird täglich von Reichtum geträumt. Es macht sich Egoismus breit. Es gibt die Traurigkeit und auch die Fröhlichkeit. Es gibt den Tautropfen am frühen Morgen. Es gibt erfreulicherweise auch tägliche Begebenheiten die Lebensfreude verbreiten.

Das alles ist der Stoff, aus dem meine Gedichte und Texte gemacht sind. So eben, wie das Leben um mich herum ist. Es ist alles andere als nur schön.

Dieser Blog ist eine Möglichkeit die Gedanken und Ideen einer kleinen Gruppe von Schreibenden in die Weite hinauszutragen. Mein Wunsch ist es, dass noch viel mehr Menschen einen Zugang zu den lyrischen Botschaften der Poeten finden. Ich weiß, dass durch unsere Texte nicht sofort weltweite Veränderungen eintreten werden. Ich hoffe aber, dass sie zum Nachdenken anregen. Deshalb freue ich mich, dass es nun schon ein Jahr lang dieses Sprachrohr der Poeten des NLZ „Ich schreibe!“ gibt. Dank an die tüchtigen Gestalter dieser Seite Jana Arlt und Susann Vogel.